Über Erfahrungen sprechen, die sich der Beschreibung entziehen

Im Gastrosophischen Podcast habe ich mit Nikolai Wojtko und Irmin Wiechmann über Experience Design gesprochen, und schon die erste Frage führte zum Kern: Wie spricht man über etwas, das sich nicht herstellen und nur schwer beschreiben lässt? Das Gespräch wurde selbst zu einem Versuch. Wir haben uns Experience Design nicht über Definitionen genähert, sondern über Erinnerungen, Geschichten und Situationen.

Eine davon ist das Schnitzel Madagaskar, mit grünem Pfeffer, Asbach und Dosenfrüchten, ein Gericht der siebziger und achtziger Jahre, das im Gespräch zu meiner Madeleine wurde. Wie bei Proust öffnet ein Geschmack eine ganze Zeit, einen Tisch, eine Familie. Eine andere ist die Erinnerung daran, wie ich mit meinem Vater kochen gelernt habe. Solche Erinnerungen zeigen, dass Geschmack nie nur auf der Zunge entsteht, sondern in den Beziehungen, in denen er erfahren wurde.

Wir sprechen darüber, warum ich nicht mit der Heldenreise arbeite, sondern mit Kishōtenketsu, einer Form, in der Bedeutung aus einer Wendung entsteht statt aus einem Konflikt. Darüber, warum Resonanz für mich ein genaueres Qualitätskriterium ist als der Wow-Effekt. Und darüber, was ich vom Kabarett gelernt habe: dass Improvisation und Unverfügbarkeit keine Störung sind, sondern Bedingung lebendiger Situationen.

Es geht um Atmosphären im Sinne von Gernot Böhme, um Ken’ya Haras Gedanken der Exformation, um alkoholfreie Begleitungen, die etwas hinzufügen, statt nur etwas wegzulassen, und um die Frage, warum ich mit Denkmodellen arbeite und nicht nach einem festen Schema. Am Ende steht der Futures of Food Kongress als Ort, an dem all das zusammenkommt.

Für mich war es ein Gespräch, in dem sichtbar wurde, worüber ich in meiner Arbeit eigentlich spreche: über Beziehungen, die im Hintergrund wirken, bis eine Situation sie erfahrbar macht. Danke an Nikolai Wojtko und Irmin Wiechmann für ihre Neugier und ihre genauen Fragen.