Die Dinge zwischen den Dingen

Wenn ich Restaurants, Hotels, Manufakturen oder andere gastliche Orte besuche, interessieren mich oft nicht nur die offensichtlichen Dinge. Natürlich nehme ich das Essen, den Raum, den Service oder das Produkt wahr. Doch besonders aufmerksam werde ich bei den Dingen zwischen den Dingen – bei den Atmosphären, Bedeutungen und Beziehungen, die darüber entscheiden, wie ein Ort erlebt und erinnert wird.

Weil viele Restaurants, Hotels, Manufakturen und Gastgeber:innen meine Arbeit als Experience Designer für Esskultur kennen, passiert nach meinen Besuchen häufig etwas Interessantes. Früher oder später kommt die Frage: „Und, wie findest du es?“

Meistens ist damit nicht gemeint, ob es mir geschmeckt hat, ob das Zimmer schön war oder ob mir ein Produkt gefällt. Gemeint ist etwas anderes: die Neugier auf meine Perspektive. Die Frage danach, was ich wahrnehme, welche Potenziale ich erkenne und welche Möglichkeiten vielleicht noch verborgen liegen.

In meiner Arbeit achte ich auf die Dinge zwischen den Dingen. Auf Atmosphären, die Menschen willkommen heißen oder auf Distanz halten. Auf die Resonanz zwischen Ort, Angebot und Gast. Auf Bedeutungen, die vermittelt werden – oder verloren gehen. Auf Erfahrungen, die nicht geplant wurden und dennoch entstehen. Oft sind es gerade diese unscheinbaren Aspekte, die darüber entscheiden, wie ein Ort wahrgenommen, erinnert und weitererzählt wird.

Manchmal sind es Speisekarten, die Orientierung erschweren, obwohl sie eigentlich Lust auf Genuss machen sollten. Sie wirken formal und funktional, während die Küche dahinter voller Persönlichkeit steckt. Manchmal erzählen Räume nicht die Geschichte, die sie erzählen könnten. Ein Hotel wirbt mit Regionalität, doch die Atmosphäre vermittelt Beliebigkeit. Eine Manufaktur steht für Handwerk und Sorgfalt, doch ihre Präsentation wirkt austauschbar. Und manchmal beobachte ich Entscheidungen, die aus Effizienzgründen getroffen wurden und am Ende genau das Gegenteil dessen bewirken, was sie ursprünglich erreichen sollten.

Besonders spannend finde ich Orte mit Ambitionen. Restaurants auf dem Weg zum Stern. Gastgeber:innen, die ihr Profil schärfen möchten. Hotels, die ihre Identität klarer erlebbar machen wollen. Marken und Manufakturen, die spüren, dass ihr Angebot stärker ist als die Erfahrung, die Menschen aktuell davon mitnehmen.

Aus diesen Gesprächen und Beobachtungen ist ein neues Angebot entstanden: ein Perspektivengespräch für Restaurants, Hotels, Manufakturen und Marken. Kein klassisches Audit, keine standardisierte Beratung und keine Checkliste mit Empfehlungen. Vielmehr ein gemeinsamer Blick auf das, was zwischen Angebot und Erfahrung geschieht. Auf Exformation, Resonanz, Bedeutung und Atmosphäre. Auf die Übergänge, Spannungen und Momente, die darüber entscheiden, wie ein Ort erinnert wird.

Ich beobachte, stelle Fragen und teile Perspektiven. Oft kreativ. Oft konstruktiv irritierend. Immer mit dem Ziel, neue Möglichkeiten sichtbar zu machen. Denn die stärksten Potenziale liegen häufig nicht im Hinzufügen weiterer Elemente, sondern darin, das Vorhandene bewusster, kohärenter und bedeutungsvoller zu gestalten.